DECLUTTERING

prokopp im Gespräch mit Viktoria Pfeiffer

ENTRÜMPELN, ENTMISTEN, ENTSORGEN - UM WIE VIEL FREIER
MAN SICH FÜHLT, WENN MAN MINIMALISTISCHER LEBT UND
WENIGER BESITZT?  WIR HABEN VITORIA PFEIFFER
(Bloggerin, Trainerin & Coach) GEFRAGT ...

 

 

 Was bedeutet „Declutter“ überhaupt?

Das Wort Declutter in der #30TageDeclutterChallenge steht für entrümpeln bzw. ausmisten. Die Challenge ist wie ein Spiel aufgebaut. Am ersten Tag trennt man sich von einem Gegenstand, am zweiten Tag von zwei, am Dritten Tag verlassen drei Dinge den Haushalt, bis man am 30ten Tag 30 Sachen weggibt. Dabei handelt es sich nicht nur um Müll, wie das Wort „ausmisten“ indiziert, sondern auch um Sachen, die verkauft, verschenkt oder gespendet werden können. Bei meiner eigenen Declutter Challenge habe ich mich von mehr als 500 Gegenständen trennen können. Durch das gemeinsame Entrümpeln in der gleich namigen Facebook-Gruppe ist es mir wesentlich leichter gefallen.    

 

Was war deine Motivation mit dem Entrümpeln anzufangen?

Beim Packen für meinen Umzug, von meiner eigenen 70m² Wohnung in ein 22m² WG-Zimmer, habe ich festgestellt wie viel Zeug ich in Kisten verpacke. Zeug, das ich gar nicht brauche. Bei manchen Sachen wusste ich schon gar nicht mehr, dass ich sie überhaupt habe. In der WG angekommen, habe ich dann über knapp zwei Jahre Stück für Stück losgelassen. Irgendwann ging mir das zu langsam. Ich habe den Überblick verloren, meine Sachen waren so gedrängt und es sah immer unordentlich aus. Genau zu dem Zeitpunkt, als dieses Gefühl aufkam, habe ich von einem Spiel zum leichteren Entrümpeln erfahren. Daraus ist dann die #30TageDeclutter-Challenge entstanden und ich habe die Facebook-Gruppe gegründet. Hier werden regelmäßig Erfahrungen ausgetauscht und die Motivation gestärkt.

Was hast du mit den entrümpelten Gegenständen gemacht?

Leider ist der Großteil davon im Müll gelandet. Unter diesen Sachen waren ausgetrocknete Stifte, von meiner Katze angeknabberte Kabel oder auch Dinge, die ich irgendwann noch reparieren wollte. Vieles von dem was noch brauchbar war, habe ich der Carla, dem Second-Hand Shop der Caritas, gespendet. Kleidung habe ich oft verschenkt oder getauscht. Wenn ich was verschenken wollte, habe ich es in dazugehörige Facebook-Gruppen oder in die Nachbarschaftsplattform „Fragnebenan“ gepostet. Auch Willhaben habe ich genutzt, hier konnte ich sogar einiges verkaufen. Besonders schön war es zu sehen wie sehr sich die Frauen, die die Kleidung abholten freuten. Das wiederum hat mich gefreut. So bekommen die Dinge, für die ich keinen Bedarf oder Platz mehr hatte, doch noch ein zweites Leben. Großen Spaß haben mir auch Kleidertauschpartys gemacht. Es gibt viele Wege sich auf gute Weise von Dingen zu trennen und dabei habe ich auch Personen kennengelernt, die ich ansonsten vielleicht nie getroffen hätte.

Wie hast du dich danach gefühlt?

Stolz und glücklich, Sachen loszulassen, die mir einmal so wichtig erschienen. Materielles hat für mich definitiv an Wert abgenommen. Auch Klarheit und Freiheit sind bei mir eingezogen. Es fühlt sich gut an, endlich wieder einen Überblick über meine Sachen zu haben. Heute überlege ich viel länger, wenn ich mir etwas Neues kaufe.

Hast du Tipps für unsere Leserinnen, wie sie am besten bei geplanten Anschaffungen vorgehen können?

  • Wenn ich den Wunsch habe mir etwas Neues zu kaufen, dann fühle ich zuerst in mich hinein, ob ich es kaufen möchte, weil es mir gerade nicht gut geht, ich Stress habe oder mich ablenken möchte. Ich stelle mir die Frage: „Brauche ich es wirklich oder will ich etwas damit kompensieren?“
  • Wenn ich der Meinung bin, dass ich es wirklich brauche, schreibe ich den Gegenstand auf eine Liste mit dem aktuellen Datum. Erst wenn 30 Tage vergangen sind und ich immer noch der Meinung bin, dass ich es brauche, darf ich es kaufen.
  • Wenn ich mich dann dazu entschieden habe etwas Neues zu kaufen, schaue ich zuerst nach, ob es den Gegenstand auch „second hand“ gibt. Wenn nicht, dann kaufe ich ihn fair produziert. Oft ist das recht aufwendig, das gebe ich zu. Und manchmal ist der Aufwand auch größer als der Wunsch selbst. Dann kann es sogar vorkommen, dass etwas wieder von meiner Liste verschwindet.
  • Wichtig ist, Spaß am Entdecken des eigenen Haushalts zu haben und ohne schlechtes Gewissen zu Decluttern. Es darf ein Prozess sein. Es kann auch schön sein, sich selbst Zeit zu geben und zu genießen. Bei mir hat die Reduzierung meines Schrankens von 4 ½ auf einen Meter vier bis fünf Jahre gedauert. Und heute beinhaltet er alles was ich habe und immer noch mehr als ich wirklich brauche.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Mehr zu Viktoria findet ihr hier ...